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Finos Brücke
Die Brücke über den Bach
Fino hatte einen Plan. Einen richtig guten Plan, fand er. Über den schmalen Bach hinter der alten Eiche wollte er eine Brücke bauen. Nicht irgendeine Brücke. Es sollte die schönste Brücke im ganzen Wald werden.
Leni sammelte biegsame Zweige. Samu suchte flache Steine für die Pfeiler. Fino band alles mit langen Grashalmen zusammen. Er zog hier, schob dort und betrachtete sein Werk mit schief gelegtem Kopf.
„Nur noch dieser Ast“, sagte Fino. „Dann können wir hinübergehen.“ Vorsichtig legte er den letzten Zweig auf die Mitte. Der Zweig wackelte. Die Brücke knarzte. Und dann machte es: knack, klapper, platsch.
Ein Feuerball im Bauch
Alle Zweige lagen im Wasser. Fino spürte, wie seine Zehen sich in den Boden krallten. Seine Wangen wurden heiß. In seinem Bauch saß plötzlich ein Feuerball, der größer und größer wurde.
„Blöde Brücke!“, rief Fino. Ein kleiner weißer Dampfkringel stieg aus seiner Nase. Er wollte die restlichen Äste wegschleudern. Er wollte brüllen. Vielleicht wollte er auch weinen. So genau wusste er es selbst nicht.
Leni kam nicht näher. Sie setzte sich auf einen Stein und sagte: „Ich bin hier.“ Samu nickte. „Wir warten auf dich.“ Niemand sagte Fino, dass er sofort wieder fröhlich sein musste.
Drei Atemzüge
Fino ging bis zum großen, runden Sonnenstein. Dort setzte er sich hin. Erst hörte er nur sein Herz: bum-bum, bum-bum. Dann hörte er den Bach. Das Wasser gluckste, als würde es leise mit ihm sprechen.
Auf dem Stein lag eine kleine Feder. Fino atmete langsam durch die Nase ein. Dann pustete er die Feder vorsichtig ein Stück weiter. Beim zweiten Atemzug wurden seine Schultern weicher. Beim dritten war der Feuerball nur noch so groß wie eine warme Murmel.
„Ich bin immer noch sauer“, sagte Fino. „Aber ich kann wieder denken.“ Leni lächelte. „Dann war die Pause genau richtig.“
Eine Brücke für drei
Fino schaute auf die nassen Zweige. „Ich habe alles allein festhalten wollen“, sagte er. Samu fischte einen Ast aus dem Bach. „Dann halten wir diesmal zu dritt.“
Leni band die Grashalme. Samu stützte die Zweige. Fino prüfte jeden Knoten ganz genau. Als etwas verrutschte, wurde sein Bauch noch einmal warm. Fino hielt inne, atmete aus und sagte: „Ich brauche kurz Hilfe.“
Bald führte eine kleine, krumme und wunderbar feste Brücke über den Bach. Sie war anders als Finos erster Plan. Aber als alle drei nebeneinander darübergingen, fand Fino sie schöner als jede Brücke, die er sich allein hätte ausdenken können.
Am anderen Ufer drehte er sich noch einmal um. „Eine Pause macht die Wut nicht weg“, sagte Fino. „Aber sie gibt mir wieder Platz im Kopf.“ Dann liefen die drei weiter, bis der Waldweg sie nach Hause brachte.